CONFETTI YOUR LIFE ® shop

Welcome at CONFETTI YOUR LIFE!

erschienen in der HOW TO #4 – stalker

erschienen in der HOW TO #4 – stalker

»Der Erfolg hat mich vollkommen überrannt!«


von Sebastian Klug

Erfolgsproduzenten sind in der Regel feige Hunde: Einmal an den Erfolg gewöhnt, wagen sie sich an experimentelle Projekte nicht mehr heran. Doch einer war schon immer anders: Nach wahrhaft göttlichen Klassikern wie den Alpen, Vollmilchschokolade und der weiblichen Brust widmet sich Erfolgsproduzent Lieber Gott nun seit einiger Zeit einem Projekt, das verstört und irritiert und sich qualitativ vom Rest seines Werkes abhebt: Castingshows. Grund genug für HOW TO, da einmal nachzufragen.

HOW TO: Herr Gott…
LIEBER GOTT:
»Herrgott«, das klingt ja komisch! »Herr Gott?« Nenn mich einfach »Gott«, das tun alle. Lachend Bis auf meine Mutter, die hat immer gerne »Mein Lieber« gesagt, vor allem, wenn sie böse auf mich war.

HOW TO: Okay, gerne. Also, Gott: Wie kamen Sie nur auf die Idee, der Menschheit Castingshows zu bescheren.
LIEBER GOTT:
Die Idee kam mir, als ich vor einigen Jahren zwei bekifften Apfelerntehelfern am Bodensee bei der Arbeit zusah. Sie wollten Äpfel stehlen, spürten aber offenbar meine Anwesenheit und entschieden sich daher, nur die beinahe überreifen Äpfel mitzunehmen. Dabei erklärten sie jedem Apfel, dass er leider nicht in den großen Korb kommen könne, und erfanden immer wieder neue Gründe dafür. Das brachte mich auf die Idee, das Ganze mit Menschen auszuprobieren.

HOW TO: Stellen Sie Menschen auf die gleiche Stufe wie Äpfel?
LIEBER GOTT:
Nein, das würde ich nie tun – immerhin durfte der Apfel im Paradies bleiben, und der Mensch musste gehen. Aber diese beiden Burschen zu sehen, die es für sich beanspruchten, Gott zu spielen – das brachte mich einfach auf die Idee, Menschen den Drang zu verleihen, sich gegenseitig auszusieben.

HOW TO: Wie haben Sie das Vorhaben angepackt?
LIEBER GOTT:
Ehrlich gesagt: Ich dachte, das wird nur ein kleiner Scherz. Ich habe die Idee Jonathan Dowling, dem Erfinder der Sendung »Popstars«, in seine Träume eingespeist. Als das Format hier in Deutschland plötzlich so gut funktionierte, wollte ich es wissen – da habe ich Simon Fuller die Idee zu »Pop Idol« in seine Frühstücksmilch gepackt. Was mich dann aber vollkommen überrannt hat, war das Feedback des Publikums. Ich dachte, es wird ein Thema für die Feuilletonisten und Kritiker – aber kein kommerzieller Erfolg!

HOW TO: Wobei Sie ja eigentlich schon darauf vorbereitet gewesen sein müssten, dass die Menschen sensationslüstern sind …
LIEBER GOTT:
… klar, wegen der Erfolge von Bibel und Bildzeitung. Aber dieser Ansturm? Ich war in der Zeit ziemlich begeistert bei der Sache, weil ich 1997 den Entertainmentbereich übernommen und den Bereich Weltpolitik an Allah abgegeben hatte. Und Entertainment mir seit der Sache mit Moses und dem geteilten Meer ziemlich viel Spaß macht. Daher habe ich die Sache vorangetrieben und Simon Fuller den Floh der weltweiten Vermarktung ins Ohr gesetzt.

HOW TO: Wie kam es dann zu »Star Search«?
LIEBER GOTT:
»Star Search« ist kein Konzept von mir. In den 80er Jahren hat das Buddha entwickelt. In der Show geht es um Künstler aller Art, die ihr besonderes Können zeigen, daher wollte er es ursprünglich »Buddha bei die Fische« nennen. Nach einer verlorenen Wette wurde der Arbeitstitel dann jedoch »Allah Anfang ist schwer«, was aber in der Reagon- und Bush-Regierung nicht so gut angekommen wäre, die hatten damals schon ein massives Problem mit dem Islam. Daher nannten wir es »Star Search«, stellten die Sendung aber 1995 ein. Als dann dieser richtige Boom kam, kam auch die Sendung wieder zum Vorschein. Was man übrigens nicht unterschätzen darf, ist die Motivation, aus der so eine Sendung entsteht …

HOW TO: … zum Beispiel?
LIEBER GOTT:
Beispielsweise »Germanys Next Topmodel«: An einem Abend hatte ich einfach den Entschluss gefasst, Allah zu ärgern – und was wäre dafür besser als ein halbes Jahr halbnackte Frauen im Fernsehen, und alle Ungläubigen können es sehen! Und Buddha konnte ich auch eins auswischen, weil er bei Heidi Klums Stimme Migräne bekommt. Lacht laut Ha, wir haben es schon manchmal lustig …

HOW TO: Das glaube ich gern. Was bedeutet Ihnen persönlich Voyeurismus?
LIEBER GOTT:
Lacht abermals »Gott sieht alles« – das ist für mich Segen und gleichzeitig Fluch.

HOW TO: Was sieht Gott denn so zum Beispiel?
LIEBER GOTT:
Großartige Dinge. George Bush beim Kreuzworträtseln beispielsweise. Ein furzender Blauwal im Südpazifik und Gürteltiere beim Sex. Oder eben Heidi Klum beim Workout.

HOW TO: Beneidenswert – aber bekommen Sie dabei kein schlechtes Gewissen?
LIEBER GOTT:
Selten. Eigentlich gar nicht mehr. Zu Beginn habe ich mir oft Vorwürfe gemacht, wenn ich zum Beispiel immer gewartet habe, bis diese großen Flugsaurier im Himalaya den Gipfel nicht überfliegen konnten und sich dann am K2 eine Gehirnerschütterung eingefangen haben. Da habe ich danach schon gedacht »Ach Gott, Du missbrauchst Deine Macht!«

HOW TO: Was war die Lösung?
LIEBER GOTT:
Dem Menschen den Voyeurismus zu schenken. Seitdem habe ich es echt im Griff. Immer, wenn ich mich beim Spannen erwische, denke ich mir einfach: »Hach, da menschelts auch bei Dir einmal!«

HOW TO: Dann haben Sie sicherlich gesehen, wie das mit Marias Empfängnis lief …
LIEBER GOTT:
Yes, man!

HOW TO: Sagen Sie es uns?
LIEBER GOTT:
No, man! Auch ein Gott braucht Geheimnisse. Nur so viel: Dass Frauen beim Orgasmus gerne meinen Namen schreien, kommt nicht von ungefähr.

HOW TO: Ein letzte Frage: Gibt es schon eine Idee für die nächste Show?
LIEBER GOTT:
Oh ja! »Germanys next Nietzsche«! Das Motto der Show: »Wer verleugnet meine Existenz am besten?« – das führt die ganze Sache ad absurdum. Als Moderator versuche ich gerade Georg Gänswein, den Privatsekretär von Papst Benedikt, zu gewinnen. Bene hat mir zugesagt, dass er ihn für den Fall vorzeitig aus seinem Vertrag entlässt. Einzige Bedingung ist, dass er als Nachfolger für den Posten Marilyn Manson bekommt.

HOW TO: Dann viel Glück dabei!
LIEBER GOTT:
Amen!

zurück