erschienen in der HOW TO #4 – stalker
von Jasmin Sidki
Stalking oder Stalker sind Begriffe, die mittlerweile zum üblichen deutschen Standardwortschatz zählen und als Anglizismen vor einiger Zeit in die deutsche Sprache eingeführt wurden. Begriffsgeschichtlich geht Stalking auf den angloamerikanischen Jägerfachjargon to stalk zurück und bezeichnet das Sichanpirschen, Anschleichen an Wild und das Einkreisen der Beute. Der Jäger hat dabei seine Beute immer im Blick und lässt sie nicht aus den Augen, schleicht sich an sie heran, bis er den richtigen Augenblick erwischt, um sie zu erlegen. Dabei wird das Objekt des Jägers häufig gehetzt oder in Fallen gelockt. Diesen Bedeutungszusammenhang aus der Jagdszene kann man auf das Stalking im hier verwendeten Sinne übertragen. Laut Definition ist Stalking das fortgesetzte Belästigen, Terrorisieren und Verfolgen einer anderen Person. Als deutsches Synonym zu Stalking wird der Begriff Nachstellen verwendet. Der so auch Eingang in die Rechtsprechung genommen hat. Stalker und Opfer stehen in einem asymmetrischen Verhältnis zueinander. Die eine Person versucht ständig in Beziehung mit der anderen Person zu treten. Diese andere Person möchte allerdings keine Beziehung. Ihr gelingt es aber auch nicht den Kontakt zu unterbinden. Opfer von Stalking erleiden meist schwerwiegende Übergriffe in ihr Privatleben. Gesundheitliche Folgeerscheinungen wie Angststörungen, Depression, Vermeidungsverhalten sind nur einige der möglichen Beeinträchtigungen des Lebens und der Gesundheit.
Zu Stalkinghandlungen zählen beispielsweise Telefonterror, häufiger Kontaktversuch über Briefe und E-Mail, ständiger Aufenthalt in der Nähe der Person, Verfolgen und Kontrolle der Aufenthaltsorte, das Auflauern der Person, Postsendungen von Geschenken und anderen materiellen Aufmerksamkeiten, Verbreitung von Unwahrheiten über das Opfer, Beleidigungen und Drohungen etc.
In den häufigsten Fällen ist es der Ex-Partner, der terrorisiert. Sonst sind es meist andere Formen des Kontakts wie Arbeitskollegen oder Bekannte, selten sind sich Stalker und Opfer fremd.
Seit dem Jahre 2002 hat der Schutz gegen Stalkerhandlungen eine rechtliche Grundlage. Das erlassene Gewaltschutzgesetz ermöglicht Opfern, vor einem Zivilgericht eine Schutzanordnung, zum Beispiel in Form eines Kontakt- oder Näherungsverbots, gegen die Nachstellungen zu erwirken. Ein Verstoß dagegen ist strafbar.
Um einen besseren Schutz für Stalkingopfer zu erreichen, wurde 2007 der Strafbestand der Nachstellung eingeführt §238 StGB. Danach wird eine einfache Nachstellung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe belegt.
Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasst für das Jahr 2007 für Deutschland 11.401 Fälle mit dem Tatvorwurf der Nachstellung gemäß § 238 StGB. Demgemäß kommen auf 100.000 Einwohner 13,9 Stalkingfälle. 88,4 % (9.389) der Fälle konnten aufgeklärt werden.
Die Wissenschaft, die sich mit den Tätermodellen von Stalkern beschäftigt, hat eine Reihe von Typologien entwickelt. Auch wenn individuelle Faktoren bei der Einschätzung von Stalkerfällen immer zu berücksichtigen sind, geben diese Kategorisierungen eine Grundlage. Die bekannteste Typologie ist die der australischen Forschungsgruppe des Psychiaters Prof. Paul E. Mullen, die nach Motiven, der Beziehung zwischen Opfer und Täter und der psychiatrischen Diagnose differenziert. Sie unterscheiden fünf Stalker-Typen.
Der zurückgewiesen Stalker
(The rejected Stalker)
Es ist der Ex-Freund, der nachts um das Haus schleicht und Kontrollanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit macht, um zu wissen, wo man ist Er will erzwingen, Teil des Lebens zu werden. Er ist da, wo auch immer man sich befindet.
Der zurückgewiesene Stalker hat eine enge Beziehung zu einer Person, die beendet wurde. Ab diesem Zeitpunkt beginnt er mit der Nachstellung. Die Hoffnung, den Partner wieder zurückzugewinnen, oder Rache kann ein Motiv sein. Das Verfolgen und Nachstellen seines Opfers ist der Versuch, die Beziehung und den Kontakt gegen den Willen des Opfers aufrechtzuerhalten.
Der intimitätssuchende Stalker
(The intimacy stalker)
Der unscheinbare Nachbar aus der Wohnung in dem Stockwerk über einem, der einen mit Liebesbekundungen und Geschenken überschüttet. Der ständig vor der Haustür steht und aufdringlich den Kontakt sucht. Die vielen Abweisungen hört er einfach nicht.
Diese Stalker haben den Wunsch, eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die ihre Aufmerksamkeit erregt hat, oder zu dem Menschen, von dem sie glauben, dass er ihm ebenfalls zugetan ist oder das bald sein wird. Die Traumbeziehung kann auch nichtsexueller Natur sein und auf rein freundschaftlicher Basis beruhen, wobei das Objekt der Begierde stark idealisiert wird. Zurückweisungen und Ablehnungen werden ignoriert und in ihren Aussagen umgedreht und umgedeutet. Beharrlich versucht der Stalker, sich seinem Opfer immer wieder anzunähern und Kontakt zu suchen, unbeirrt von der negativen Reaktion.
Der inkompetente Verehrer
(The incompetent Suitor)
Auf einer Party ist man sich flüchtig begegnet. Er bekommt Adresse und Telefonnummer heraus und sucht immer wieder Kontakt auf plumpe und unwirsche Art. Von sich überzeugt, nimmt er Ablehnung und Zurückweisungen nicht wahr. Respekt vor Privatem und Grenzen kennt er nicht. Selbstgefällig nimmt er sich, was er braucht.
Der inkompetente Verehrer hat eine geringe soziale Kompetenz, Selbstüberschätzung und wenig Einfühlungsvermögen. Unfähig, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, sucht er meist sexuelle Beziehungen. Dabei lässt er keinen Zweifel an der Berechtigung seines Handelns. Drohungen und Stalking sind seine Mittel, um eine Beziehung zu erzwingen. Abweisungen versteht er nicht.
Der ärgergetriebene Stalker
(The resentful Stalker)
Man wollte ihm nur helfen, doch verstand er alle Kritik als persönlichen Angriff gegen sich. Man hatte Schuld an seinem Leben und allem, was ihm angetan wurde.
Drohungen und Schuldzuweisungen beeinträchtigen das Leben. Der Wunsch nach Vergeltung, nach Rache und Sühne leitet diese Menschen. So sehen sie sich selbst als Opfer und entwickeln einen Hass auf andere Personen, denen sie die Schuld an ihrer Situation zuweisen. Insbesondere bestimmte Berufsgruppen wie Rechtsanwälte, Richter, Ärzte und Psychologen sind häufig Opfer solcher Stalkerangriffe. Dabei projizieren sie ihr empfundenes Unrecht auf die Opfer, sie suchen nach Rache, indem sie sie in Angst und Schrecken versetzen und ihnen das Leben zur Qual machen.
Der Jagdstalker
(The predatory Stalker)
Man sieht ihn nicht, aber er ist da. Ganz plötzlich kommt er aus seinem Versteck, worin er schon seit langem wartet und beobachtet. Er hat seinen Angriff vorbereitet und geplant, heimlich und unauffällig. Er ist unsichtbar, bis er seine Beute holt.
Dieser Stalker-Typ plant einen sexuellen Übergriff auf das Opfer. Er bleibt im Verborgenen, beobachtet und stalkt unbemerkt, um unerkannt zu bleiben. Seine Motive sind die lustvollen Gefühle der Macht und Kontrolle, die er verspürt, und teilweise auch voyeuristische Befriedigung. Auch wenn dieser Stalker-Typ sehr selten vorkommt, ist er immer männlich.
Der sadistische Stalker
(The sadistic Stalker)
Man ist ihm nie begegnet, aber er weiß alles und nichts bleibt ihm verborgen. Jeder Bereich des Lebens ist unter seinem Blick. Unsichtbar ist er immer präsent.
Dieser zusätzliche Typ ist von dem Kriminalpsychologen Sherridan entdeckt worden. Diesem genügt das Nachstellen des Opfers, das sich meist im entfernteren Bekanntenkreis befindet. Im Verborgenen zieht er sein lustvolles Erleben aus dem Beobachten und Nachstellen des Opfers. Er erhält immer mehr Kontrolle über immer mehr Lebensbereiche, was ihm Lust und Befriedigung verschafft.
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Versuch einer Typologie
von Jasmin Sidki
Stalking oder Stalker sind Begriffe, die mittlerweile zum üblichen deutschen Standardwortschatz zählen und als Anglizismen vor einiger Zeit in die deutsche Sprache eingeführt wurden. Begriffsgeschichtlich geht Stalking auf den angloamerikanischen Jägerfachjargon to stalk zurück und bezeichnet das Sichanpirschen, Anschleichen an Wild und das Einkreisen der Beute. Der Jäger hat dabei seine Beute immer im Blick und lässt sie nicht aus den Augen, schleicht sich an sie heran, bis er den richtigen Augenblick erwischt, um sie zu erlegen. Dabei wird das Objekt des Jägers häufig gehetzt oder in Fallen gelockt. Diesen Bedeutungszusammenhang aus der Jagdszene kann man auf das Stalking im hier verwendeten Sinne übertragen. Laut Definition ist Stalking das fortgesetzte Belästigen, Terrorisieren und Verfolgen einer anderen Person. Als deutsches Synonym zu Stalking wird der Begriff Nachstellen verwendet. Der so auch Eingang in die Rechtsprechung genommen hat. Stalker und Opfer stehen in einem asymmetrischen Verhältnis zueinander. Die eine Person versucht ständig in Beziehung mit der anderen Person zu treten. Diese andere Person möchte allerdings keine Beziehung. Ihr gelingt es aber auch nicht den Kontakt zu unterbinden. Opfer von Stalking erleiden meist schwerwiegende Übergriffe in ihr Privatleben. Gesundheitliche Folgeerscheinungen wie Angststörungen, Depression, Vermeidungsverhalten sind nur einige der möglichen Beeinträchtigungen des Lebens und der Gesundheit.
Zu Stalkinghandlungen zählen beispielsweise Telefonterror, häufiger Kontaktversuch über Briefe und E-Mail, ständiger Aufenthalt in der Nähe der Person, Verfolgen und Kontrolle der Aufenthaltsorte, das Auflauern der Person, Postsendungen von Geschenken und anderen materiellen Aufmerksamkeiten, Verbreitung von Unwahrheiten über das Opfer, Beleidigungen und Drohungen etc.
In den häufigsten Fällen ist es der Ex-Partner, der terrorisiert. Sonst sind es meist andere Formen des Kontakts wie Arbeitskollegen oder Bekannte, selten sind sich Stalker und Opfer fremd.
Seit dem Jahre 2002 hat der Schutz gegen Stalkerhandlungen eine rechtliche Grundlage. Das erlassene Gewaltschutzgesetz ermöglicht Opfern, vor einem Zivilgericht eine Schutzanordnung, zum Beispiel in Form eines Kontakt- oder Näherungsverbots, gegen die Nachstellungen zu erwirken. Ein Verstoß dagegen ist strafbar.
Um einen besseren Schutz für Stalkingopfer zu erreichen, wurde 2007 der Strafbestand der Nachstellung eingeführt §238 StGB. Danach wird eine einfache Nachstellung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe belegt.
Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasst für das Jahr 2007 für Deutschland 11.401 Fälle mit dem Tatvorwurf der Nachstellung gemäß § 238 StGB. Demgemäß kommen auf 100.000 Einwohner 13,9 Stalkingfälle. 88,4 % (9.389) der Fälle konnten aufgeklärt werden.
Die Wissenschaft, die sich mit den Tätermodellen von Stalkern beschäftigt, hat eine Reihe von Typologien entwickelt. Auch wenn individuelle Faktoren bei der Einschätzung von Stalkerfällen immer zu berücksichtigen sind, geben diese Kategorisierungen eine Grundlage. Die bekannteste Typologie ist die der australischen Forschungsgruppe des Psychiaters Prof. Paul E. Mullen, die nach Motiven, der Beziehung zwischen Opfer und Täter und der psychiatrischen Diagnose differenziert. Sie unterscheiden fünf Stalker-Typen.
Der zurückgewiesen Stalker
(The rejected Stalker)
Es ist der Ex-Freund, der nachts um das Haus schleicht und Kontrollanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit macht, um zu wissen, wo man ist Er will erzwingen, Teil des Lebens zu werden. Er ist da, wo auch immer man sich befindet.
Der zurückgewiesene Stalker hat eine enge Beziehung zu einer Person, die beendet wurde. Ab diesem Zeitpunkt beginnt er mit der Nachstellung. Die Hoffnung, den Partner wieder zurückzugewinnen, oder Rache kann ein Motiv sein. Das Verfolgen und Nachstellen seines Opfers ist der Versuch, die Beziehung und den Kontakt gegen den Willen des Opfers aufrechtzuerhalten.
Der intimitätssuchende Stalker
(The intimacy stalker)
Der unscheinbare Nachbar aus der Wohnung in dem Stockwerk über einem, der einen mit Liebesbekundungen und Geschenken überschüttet. Der ständig vor der Haustür steht und aufdringlich den Kontakt sucht. Die vielen Abweisungen hört er einfach nicht.
Diese Stalker haben den Wunsch, eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die ihre Aufmerksamkeit erregt hat, oder zu dem Menschen, von dem sie glauben, dass er ihm ebenfalls zugetan ist oder das bald sein wird. Die Traumbeziehung kann auch nichtsexueller Natur sein und auf rein freundschaftlicher Basis beruhen, wobei das Objekt der Begierde stark idealisiert wird. Zurückweisungen und Ablehnungen werden ignoriert und in ihren Aussagen umgedreht und umgedeutet. Beharrlich versucht der Stalker, sich seinem Opfer immer wieder anzunähern und Kontakt zu suchen, unbeirrt von der negativen Reaktion.
Der inkompetente Verehrer
(The incompetent Suitor)
Auf einer Party ist man sich flüchtig begegnet. Er bekommt Adresse und Telefonnummer heraus und sucht immer wieder Kontakt auf plumpe und unwirsche Art. Von sich überzeugt, nimmt er Ablehnung und Zurückweisungen nicht wahr. Respekt vor Privatem und Grenzen kennt er nicht. Selbstgefällig nimmt er sich, was er braucht.
Der inkompetente Verehrer hat eine geringe soziale Kompetenz, Selbstüberschätzung und wenig Einfühlungsvermögen. Unfähig, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, sucht er meist sexuelle Beziehungen. Dabei lässt er keinen Zweifel an der Berechtigung seines Handelns. Drohungen und Stalking sind seine Mittel, um eine Beziehung zu erzwingen. Abweisungen versteht er nicht.
Der ärgergetriebene Stalker
(The resentful Stalker)
Man wollte ihm nur helfen, doch verstand er alle Kritik als persönlichen Angriff gegen sich. Man hatte Schuld an seinem Leben und allem, was ihm angetan wurde.
Drohungen und Schuldzuweisungen beeinträchtigen das Leben. Der Wunsch nach Vergeltung, nach Rache und Sühne leitet diese Menschen. So sehen sie sich selbst als Opfer und entwickeln einen Hass auf andere Personen, denen sie die Schuld an ihrer Situation zuweisen. Insbesondere bestimmte Berufsgruppen wie Rechtsanwälte, Richter, Ärzte und Psychologen sind häufig Opfer solcher Stalkerangriffe. Dabei projizieren sie ihr empfundenes Unrecht auf die Opfer, sie suchen nach Rache, indem sie sie in Angst und Schrecken versetzen und ihnen das Leben zur Qual machen.
Der Jagdstalker
(The predatory Stalker)
Man sieht ihn nicht, aber er ist da. Ganz plötzlich kommt er aus seinem Versteck, worin er schon seit langem wartet und beobachtet. Er hat seinen Angriff vorbereitet und geplant, heimlich und unauffällig. Er ist unsichtbar, bis er seine Beute holt.
Dieser Stalker-Typ plant einen sexuellen Übergriff auf das Opfer. Er bleibt im Verborgenen, beobachtet und stalkt unbemerkt, um unerkannt zu bleiben. Seine Motive sind die lustvollen Gefühle der Macht und Kontrolle, die er verspürt, und teilweise auch voyeuristische Befriedigung. Auch wenn dieser Stalker-Typ sehr selten vorkommt, ist er immer männlich.
Der sadistische Stalker
(The sadistic Stalker)
Man ist ihm nie begegnet, aber er weiß alles und nichts bleibt ihm verborgen. Jeder Bereich des Lebens ist unter seinem Blick. Unsichtbar ist er immer präsent.
Dieser zusätzliche Typ ist von dem Kriminalpsychologen Sherridan entdeckt worden. Diesem genügt das Nachstellen des Opfers, das sich meist im entfernteren Bekanntenkreis befindet. Im Verborgenen zieht er sein lustvolles Erleben aus dem Beobachten und Nachstellen des Opfers. Er erhält immer mehr Kontrolle über immer mehr Lebensbereiche, was ihm Lust und Befriedigung verschafft.
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