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erschienen in der HOW TO #2 – food

AUWEI O WEI


ODER


Wie der Kasperl zu Trinken anfing und es zum Glück ganz schnell wieder sein ließ.



von Mike Kroiss

Mike Kroiss, gebürtiger Münchner, wohnhaft in greifbarer Nähe zur berühmtesten Wies‘n der Welt und selbst mal wie einst Obelix in den Bierkessel gefallen, hat seither Trinkverbot vom bayerischen Zaubertrank, aber immer noch Durst. Seines Zeichens Werber, angehender Schriftsteller und Mitglied der Graf von Pocci* Gesellschaft, spekuliert Mike Kroiss für HOW TO über das Trinkverhalten der Bayern und den Durst vom Rest der Welt. Spekulationsgrundlage: Eine eigens von ihm und für diesen Zweck erdachte Kasperlegeschichte. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Völkern sind wahrscheinlich nicht zufällig. Ob die Geschichte jetzt aber wahr ist, sich jemals so zugetragen hat, weiß keiner so genau. Aber sein könnt es ja schon.

Pocci

*

    Graf von Pocci (München 1807 – 1876) ist als Schöpfer von über 40 Puppenkomödien rund um den Kasperl Larifari bis heute berühmt. Der »Kasperlgraf« hatte als hoher Hofbeamter aber auch Anteil am vielfältigen gesellschaftlichen und literarischen, musikalischen und bildkünstlerischen Leben unter drei bayerischen Königen, nämlich Ludwig I., Max II., und Ludwig II. In seinen Tausenden von Karikaturen spiegelt sich die geistige Physiognomie Münchens wider, in seinen Zeichnungen und Aquarellen das Antlitz seiner bayerischen Heimat. Besondere Liebe zu den Kindern spricht aus der Fülle seiner Bilderbücher, Illustrationen, Lieder und Gedichte für das kleine Volk. Siehe auch www.franzgrafpocci-gesellschaft.de



W

ie ein jeder weiß, war der Kasperl viel in der Welt unterwegs gewesen. Zuletzt, bevor er häuslicher wurde, verbrachte er einige Zeit auf der von Sagen umwobenen Insel UIUIUIUI. Eine Insel, die so weit weg liegt, dass außer dem Kasperl und den Insulanern, den UIUIUIUIs, kein Mensch jemals zuvor noch danach dieses Fleckchen Erde betreten hatte. So wusste auch niemand etwas über die dort in frühen Zeiten verbreitete Krankheit, die angeblich von dem seltenen, aber ganz grauenhaften AUWEIOWEI-Bakterium übertragen wurde. Die Insulaner waren im Laufe vieler Jahrhunderte immun gegen dieses seltsame Bakterium geworden, so dass auch niemand mehr sagen konnte, ob es ein Heilmittel gab oder nicht. Der Kasperl hatte zwar viele schaurige Geschichten über dieses AUWEIOWEI-Bakterium und seine seltsame Krankheit gehört, aber machte sich einfach keine Sorgen oder Gedanken darüber, ob er selbst krank werden könnte. Der Kasperl war eben ein sehr aufgewecktes und lustiges Kerlchen, das nicht mal wusste, wie man Sorgen schreibt. Bis zum Tag seines Abschieds von UIUIUIUI und den UIUIUIUIs war der Kasperl auch kerngesund und freute sich auf der langen Heimreise auf sein Zuhause und erinnerte sich an die lustigen Zeiten mit den UIUIUIUIs, die so leicht zu begeistern waren und dabei ihr berühmtes »UIUIUIUI« schnatterten.

Wieder daheim, hatten dem Kasperl seine Freunde eine große Willkommensfeier im Wirtshaus seines Dorfes organisiert. Alle waren sie da: Der Pfarrer und seine Magd, der Bürgermeister mit Gattin, der Oberlehrer mit seinem Münchner Gspusi, der Dorfarzt mit seiner kranken Schwester, viele befreundete Burschen aus dem hiesigen Trachtenverein und natürlich die schönen und nicht so schönen Damen vom Gesangsverein. Und weil eben noch niemand von denen auf UIUIUIUI war, hatte der Kasperl sehr viel zu erzählen. Und wie das so ist bei Festen im Wirtshaus, wo sehr viel erzählt wird, wurde da auch sehr viel getrunken. Auch der Kasperl, der sich bis dahin an Kracherl, Milch, Wasser oder die fruchtigen Säfte der UIUIUIUIs gehalten hatte, fand Geschmack an Hopfen und Malz. Und weil der Kasperl dachte, er könne das Bier genauso wegtrinken wie Kracherl, Milch, Wasser oder die fruchtigen Säfte der UIUIUIUIs, kam es zu später Stunde, wie es kommen musste. Sternhagelvoll mit einem lauten UIUIUIUI krachte der Kasperl am Stammtisch vom Stuhl, so dass die Damen vom Gesangsverein in C-Dur zu Kreischen anfingen, der Dorfarzt nicht mehr ganz nüchtern »Der is voi wia a Haubitzn« diagnostizierte und vier etwas leichter angetrunkene Burschen vom Trachtenverein angesprungen kamen und den Kasperl kurzerhand an allen Vieren packten, um ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Schwankend und wankend trugen sie den Kasperl heim, warfen ihn ins Bett und machten sich schnell auf, selbst in die Federn zu kommen. Auch der Rest des heiteren Völkchens verließ nach und nach schnatternd und gackernd, schwankend und wankend das Wirtshaus. Nur der Wirt blieb, räumte den Festsaal auf und freute sich mit einem lauten »UIUIUIUI« über seinen prall gefüllten Geldbeutel.

Am nächsten Morgen, als der Kasperl aufwachte, mit einem riesigen Schädel und einem Brand im Maul, dessen selbst ein Feuerwehrlöschzug nicht hätte Herr werden können, war das erste was er sagte: »AUWEIOWEI.« Und so tönte es den ganzen Morgen: »AUWEIOWEI, AUWEIOWEI.« Der Kasperl, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Kater hatte und so gar nicht wusste, wie ihm geschah, bekam es plötzlich schwer mit der Angst zu tun: »Hatte er sich etwa auf UIUIUIUI an dem mysteriösen AUWEIOWEI-Bakterium angesteckt? Sollten die grausigen Geschichten der UIUIUIUIs etwa wahr sein, oder was war jetzt eigentlich passiert?« Irgendwie konnte er sich gar nicht mehr so recht erinnern, und um seine Erinnerung aufzufrischen, schlich sich der Kasperl zum Pfarrer, der gleich ums Eck wohnte. Und schon von draußen hörte er das AUWEIOWEI vom Pfarrer. »Jessas na«, dachte sich der Kasperl, »hab ich etwa den Pfarrer angesteckt?« Und so ging er weiter zum Bürgermeister: AUWEIOWEI, dann zum Oberlehrer: AUWEIOWEI, zum Dorfarzt: AUWEIOWEI, und wo der Kasperl auch hinkam, hörte er das selbe Lied: AUWEIOWEI AUWEIOWEI.
»Nein, das kann ja gar nicht sein – das ganze Dorf von mir angesteckt.«

Langsam ahnte der Kasperl, was geschehen war, und beendete seine Runde im Wirtshaus, wo alles begonnen hatte. Ohne Gäste saß der Wirt zufrieden vor einem Schweinsbraten mit Knödel, zu dem er ein Kracherl trank. »Mai, Kasperl, host Du an Rausch im Gsicht ghabt gestern!« sprach der Wirt, nachdem er seinen ersten Knödel verputzt hatte. »Aso, jamai, aha a Rausch war des«, stammelte der Kasperl. »Und de andern?« fragte der Kasperl. »Mai, an gscheidn Durst hams halt wieder ghabt, allesamt.«
»So so an Durst! Und i hob scho denkt, die hom si des AUWEIOWEI-Bakterium vo de UIUIUIUIs eigfangt«, bemerkte der Kasperl beruhigt und bestellte sich von da an wie früher Kracherl, Wasser oder Milch. Und zu den UIUIUIUIs wollte er auch noch mal –






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