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erschienen in der HOW TO #1 – architecture

Konkreter Freiraum *

von David Voss



Über die Anlage der Hochschule für Gestaltung Ulm von Max Bill und deren Wirkung auf ihre Nutzer


Der Komplex der Hochschule für Gestaltung (HfG), welche von 1953 bis 1968 bestand, ist außerhalb von Ulm auf dem oberen Kuhberg gelegen. Von hier aus reicht der Blick über Stadt und Donauebene. Auf diesem Berg befindet sich eine mittelalterliche Befestigungsanlage, in welcher unter der nationalsozialistischen Diktatur ein Konzentrationslager untergebracht war. In der Nachkriegszeit wurde jener Ort von der Ulmer Bevölkerung als Ausflugsziel geschätzt. Rückwärtig zu jenem Fort liegt der von Max Bill entworfene Bau der HfG Ulm. Die Anlage der Schule, die von keinem Punkt aus ganz zu überblicken ist, wird bestimmt von flachen zweistöckigen Gebäuden. Die einzige Ausnahme bilden die fünfgeschossigen Studentenwohnungen. Die Erscheinung des Komplexes ist durch die Form des Quadrates gekennzeichnet, welche sich in den kubischen Elementen der Baukörper wieder finden und die Gliederung der Fassade prägen. Die einzelnen Gebäude des Campus sind linear miteinander vernetzt, wobei die ineinander greifenden Übergänge zwischen den einzelnen Bauteilen, durch eine unterschiedliche Winkelung, die Erscheinung der Anlage prägen. Mit diesem Entwurf ging es Max Bill um die bewusste Vermeidung eines durch Architektur formulierten Geltungsdranges, wie er zuvor unter dem Nationalsozialistischen Regime vorherrschte. In seiner Einordnung in die Baugeschichte gilt der Komplex der HfG Ulm nicht unbedingt als beispielhafte Architektur, jedoch war der Ulmer Bau eines der fortschrittlichsten Bauwerke in der deutschen Nachkriegszeit. Die Anlage ist heute in einem guten restaurierten Zustand. Sie wurde bereits in den 1970er Jahren unter Denkmalschutz gestellt und um ursprünglich nicht realisierte Gebäudeteile ergänzt.
Der Architekt und erste Rektor der HfG Ulm, Max Bill (1908 –1994) ist uns heutzutage eher als Künstler und weniger als Gestalter von Bauten, Ausstellungen und Gebrauchsgrafiken oder gar als Publizist bekannt. In seiner umfassenden Tätigkeit war dem künstlerischen Werk mehr Erfolg beschieden als dem gestalterischen. Seine Arbeiten aus dem Feld der Konkreten Kunst stellen jedoch einen zentralen Bezugspunkt für sein gesamtes Schaffen dar. Das Ziel, welches Max Bill mit dieser Kunst verfolgte, war die Konstruktion von objektiver Schönheit. Formen wie Kreis, Quadrat und Linie bildeten für ihn die ordnenden Kräfte, die jeder menschlichen Systematik zugrunde liegen. Es ging Bill um die Verdrängung des subjektiven Bauchgefühls und um eine Hinwendung zum kalkulierten, sachlichen und wissenschaftlichen Tun auf der Grundlage eines nachvollziehbaren Systems.
Das Paradigma der Konkreten Kunst findet sich im praktischen Werk Max Bills wieder. Bei seinen Objekten und Bauten war die Schönheit der äußeren Form gleichbedeutend mit der praktischen Funktion. Durch die Einführung entsprechend gestalteter Gegenstände in das tägliche Leben erhoffte sich Bill einen positiven Impuls für das kulturelle Selbstverständnis der Bevölkerung.
Die Architektur des Ulmer Schulbaus orientierte Max Bill ebenfalls an den Leitsätzen der Konkreten Kunst. Max Bill war der Meinung, dass der Bau so seine Intentionen widerspiegelte und daher dessen Nutzer dazu veranlasste, seinen Denkansatz für ihr Tun zu übernehmen. Bill war sich der Wirkung von Architektur auf deren Nutzer bewusst, zudem er die Baulehre als die höchste Kunstform ansah. Er schätzte den Einfluss der täglichen Umgebung als prägend für den Menschen ein, wodurch dem Schulbau eine tragende Rolle bei der Vermittlung seiner Lehre zukam. Bill wollte durch die Orientierung des Schulkomplexes an den Denkmustern jener Kunstgattung ein Gebäude mit maximalen geistigen und physischen Freiräumen errichten, das dessen Bewohnern keinerlei Regeln vorschrieb. Durch eine Konstruktion der Anlage auf den Grundlagen der Konkreten Kunst sollte diese in ihrem Wesen objektiv nachvollziehbar werden und eine von Normen und Schemas freie Atmosphäre schaffen.
Die Basis für eine Ausbildung nach seinen Vorstellungen stellte für Bill eine studentische Werkgemeinschaft dar. Die Architektur der HfG sollte deren Bildung fördern, was durch die Verschränkung der einzelnen Bauteile erreicht werden sollte. Durch die Überlagerung der Gebäudeteile an zentralen Stellen entstanden Raumsituationen, die sich optisch von den anderen Räumen der Schule unterschieden und dadurch eine besondere inhaltliche Gewichtung erfuhren. Bei jenen Stellen handelte es sich um wesentliche Verbindungspunkte innerhalb der HfG-Anlage. Die bewusste Akzentuierung dieser Zentren unterstrich die Vorstellung Max Bills von einem ständigen Austausch durch die gezielte Zusammenführung der Schulgemeinschaft. Der Bau bildete nicht nur den Rahmen für ein gemeinsames Leben und Arbeiten, er sollte auch die Kommunikation fördern und dadurch die Nutzer des Komplexes in Denken und Tun einander näher bringen.
Der Versorgungstrakt der Schule, welcher Aula, Mensa und einen Barbereich umfasste, stellte den zentralen Ort der Begegnung dar. Hier frühstückten die Schüler und Lehrer, man fand sich zum gemeinsam Mittagessen ein und traf sich auch am Abend meist an der Bar wieder. Dort wurden dann die Gespräche aus dem Lehralltag fortgeführt. Die Schule ermöglichte durch ihren eigenständigen Komplex den Bewohnern ein autarkes Leben und Arbeiten auf dem Campusgelände. So besaß die Anlage Unterkünfte für Dozenten und Studenten. Anfangs wurde sie von circa 80 Studierenden internationaler Herkunft besucht, woraus ein breites kulturelles Spektrum resultierte. Die Studentenschaft der Hochschule war eindeutig männlich dominiert, sodass im Schnitt auf zehn Männer eine Frau kam.
Die Unterbringung der Studenten erfolgte hauptsächlich im Wohnturm der Schule. Die Zimmer waren, gleich der gesamten Anlage, von einer puristischen Einfachheit geprägt. Diese waren mit Einbaumöbeln versehen, besaßen eine Bettnische, einen Schreibtisch und ein bis zwei Hocker als Sitz und Ablagemöglichkeit. Fast alle Gegenstände waren aus Holz gefertigt, da dieser Werkstoff in der Nachkriegszeit leicht und kostengünstig zu beschaffen war. Die Möblierung der Studentenzimmer wurde, wie auch die anderen Teile der Schule, in den eigenen Werkstätten hergestellt. Der Zuschnitt der Räume war recht unterschiedlich und besaß Größen zwischen 9 m2 und 24 m2. Die größeren Zimmer wurden von je zwei Schülern genutzt. Zudem gab es einige Gemeinschafträume.
Exemplarisch für die Ausstattung der Hochschule war der so genannte Ulmer Hocker von Max Bill, Hans Gugelot und Paul Hildinger. Dieser griff mit seinen Abmaßen von 30 x 40 x 45 cm die Proportionen des architektonischen Gliederungssystems des Lehrgebäudes auf und war durch seine simple und kostengünstige Holzkonstruktion ein adäquates Gleichnis zum HfG-Bau. Das Sitzmöbel diente auch als Tisch, Pult oder Tragevorrichtung und war somit in der spärlich möblierten Schule universell einsetzbar. Zwar war der Hocker nicht sehr bequem, jedoch durch seine vielfältigen Funktionen eine Herausforderung für den Benutzer, der sich, ganz im Sinne der Lehre Bills, aktiv mit diesem auseinandersetzen musste, um die Unvollkommenheit, die jene Vielfältigkeit bedingte, auszugleichen.
Die Ausstattung der Schule genügte nur elementaren Zwecken und folgte in ihrem Zuschnitt den puren Grundbedürfnisse des Menschen. Die konzeptionelle Ausrichtung der Architektur fand sich in der Einrichtung der Räume wieder. Bau und Möbel ergänzten sich formal und inhaltlich, sodass daraus ein einheitlich ausgestalteter Lebensraum. Die spartanische Reduktion von Architektur und Einrichtung forderte jedoch eine adäquate Lebensweise heraus.
Die Zusammensetzung der Studenten war breit gefächert. Durch den Krieg war es vielen nicht möglich gewesen zu studieren, sodass diese nun motiviert waren, etwas Neues zu versuchen. Einige der ersten HfGler entstammten daher einem Kontext, der nicht unmittelbar mit Gestaltung zu tun hatte, wodurch die Schnittmenge der einzelnen Studenten eher in deren Interessen als in ihren Fähigkeiten lag. Begünstigt wurde diese offene Zusammensetzung der Studentenschaft durch ein unkonventionelles Aufnahmeverfahren. Zum Eintritt in die Hochschule für Gestaltung musste lediglich ein Fragebogen ausgefüllt werden, in dem es nicht um gestalterische Fragen, sondern um soziale und kulturelle Problemstellungen ging. Eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Abitur waren nicht von Belang. Vielmehr ging es mit dem Test um eine Überprüfung der kulturellen Integration des Bewerbers in die Hochschule. Die Prüfung setzte Wissen voraus, welches jedoch hauptsächlich in einer gepflegten und fortschrittlich orientierten Bildungsschicht vorhanden war. Daher führte der Aufnahmetest zu einer intellektuell geprägten Studentengemeinschaft, wodurch die HfG Züge eines elitären Zirkels entwickelte.
Die Schulgemeinschaft, der ihre kulturelle Bildung durchaus bewusst war, unterstrich ihre ausgewählte Zusammensetzung durch eine Art Kode. Dieser äußerte sich in Kleidung, Haarschnitt und Sprache. Das gezielte andersartige Auftreten, welches von Studenten und auch den Dozenten vertreten wurde, hatte eine offensichtliche Abgrenzung der Schulangehörigen von ihrer Umwelt zur Folge, förderte jedoch das Gemeinschaftsgefühl ungemein. Mit der Annahme des Kodes erfolgte eine Aufnahme in den inneren Kreis der Schule. Bestand jemand auf ein individuelles Äußeres, wurde dieser als nicht konform mit den Ideen der Lehreinrichtung angesehen. Die Ausgrenzung jener Person war die Folge. Da der Verlauf des Studiums bestimmt war von erneuten Eignungsprüfungen, erhöhten jene Ausleseprozesse abermals den Druck zur Anpassung.
Ein Ausdruck dieses ungeschriebenen Kodes fand sich auch in der Ausgestaltung der Studentenzimmer wieder. In den Räumen des Wohnturmes wurde die puristische Ausstattung selten verändert. Eher das Gegenteil war der Fall. Viele der HfG-Schüler überführten die von der Lehreinrichtung vermittelten Ideen in ihr Privatleben, was sich darin äußerte, dass nur bestimmte Dinge in den Ateliers geduldet wurden, die mit den Prinzipien der Schule übereinstimmten. So fand man in den Zimmern die kubischen Braun-Radiogeräte wieder, welche an der HfG entwickelt worden waren. Jedoch mussten selbst Aschenbecher, Wecker und Rasierer bestimmte Form- und Herkunftsmerkmale aufweisen, um in der Einrichtung akzeptiert zu werden. Gewöhnliche Dinge des Alltags, die nicht den Gestaltungskonventionen der HfG entsprachen, wurden weitestmöglich aus dem Blickfeld geräumt, um eine ästhetische Gesamtwirkung zu wahren. Dies traf beispielsweise auf Dinge wie Waschmittelverpackungen zu, die durch ihr marktschreierisches Äußere mit der puristischen Lebensgestaltung unverträglich waren.
Die Übernahme der Schulprogrammatik führte zu einer essentiellen Lebensweise der Studierenden. Vor allem in den ersten Jahren der HfG, in denen der Idealismus auf Grund eines fehlenden Realitätsabgleichs ungebremst war, besaß die an der Schule herrschende Atmosphäre weitreichende Aus- wirkungen. Ein nicht an die in- ternen Konventionen der Schule angepasstes Leben schien an der HfG unmöglich. Dies war zum einen bedingt durch die abgeschiedene Lage der Hochschule. Hinzu kam aber auch, dass die Stadt Ulm, durch eine abweisende Haltung gegenüber der Lehreinrichtung, sich als Zufluchtsort ausschloss. In Ulm selbst stand das Auftreten der Studierenden in auffallendem Kontrast zu den gutbürgerlichen Vorstellungen der Ortsansässigen. Im Nachkriegsdeutschland sehnte man sich nach der Rückkehr eines geregelten Lebens. Daher waren in dieser Zeit Experimente, wie man sie in der HfG sah, unerwünscht. Zieht man nun noch in Betracht, dass die Schulanlage nicht über einen öffentlichen Fernsprechapparat verfügte, wird offensichtlich, dass sich für die Schulgemeinschaft die Möglichkeit eines direkten Austausches auf den Kreis der Anwesenden innerhalb des HfG-Komplexes begrenzte.
Die Isolation der Menschen, deren Lebensraum sich auf die Anlage der HfG Ulm auf dem Oberen Kuhberg begrenzte, blieb nicht ohne Konsequenzen. Jene Abschirmung ermögliche zwar eine Fokussierung auf eine schöpferische Produktion, doch wurde die Arbeit zu einer der wenigen verbliebenen Möglichkeit der Flucht oder Verdrängung. Auch war eine Entfremdung die Folge, der eine Absonderung gegenüber der reellen Welt anhing. Das ideologisch geprägte Schulleben, welches von einer fortwährenden Diskussion über Themen der Gestaltung geprägt war, hatte mitunter negative Auswirkung auf die seelische Verfassung mancher Studenten. Für einige boten sich innerhalb der Schule keine Möglichkeiten, ihre Emotionen auszuleben oder mit anderen über private Probleme zu reden. Depressionen waren die Folge, die bei Einzelnen sogar bis hin zum Freitod führten.
Die Strukturierung der HfG-Anlage, als wesentlicher Faktor für die Gestaltung der Lebensumstände, ist hierbei nicht außer Acht zu lassen. Max Bill hatte die Schule so konstruiert, dass das Lehrgebäude durch eine ständige Zusammenführung der Menschen eine fortwährende Auseinandersetzung unter ihren Nutzern bedingte. Die daraus resultierenden Diskussionen ergaben, neben einer Intensivierung von Lehre und Gemeinschaft, naturgemäß auch Meinungsverschiedenheiten, die sich allerdings zu heftigen Auseinandersetzungen ausweiten konnten. In der Architektur der Schule war eine Möglichkeit, sich der Gemeinschaft zu entziehen, nicht vorgesehen. Nimmt man die abgeschiedene Lage des HfG-Komplexes hinzu, wird deutlich, dass die Bewohner innerhalb der Anlage keinen alternativen Bewegungsraum hatten und somit durch die lineare Wegeführung an das Gebäude und an die darin stattfindenden Ereignisse gebunden waren.
Beispielsweise wirkte sich das Ausscheiden Max Bills aus der HfG zu einer Krise aus, die in ihrer Intensität bemerkenswert war. 1957, nur vier Jahre nach der Eröffnung der Schule und zwei Jahre nach Fertigstellung des Gebäudekomplexes, verließ Bill die Ulmer Lehreinrichtung. Grund für diesen Schritt waren die unterschiedlichen Ansichten über die Ausrichtung der Lehre zwischen ihm und den anderen, noch jungen Lehrkräften. Ein langjähriger Prozess des Rückzugs Bills aus der Schule hatte dazu geführt, dass sich die HfG in zwei Gruppen mit vermeintlich divergierenden Lehransichten gespalten hatte. Als Bill nun auf Druck der jüngeren Dozenten die Schule gänzlich verlassen sollte, beschwor dieser eine letzte große Konfrontation herauf. Anfangs kam es zu heftigen Diskussionen innerhalb der HfG, jedoch blieb es nicht nur bei verbalen Aktionen. Die Studentenschaft war in sich regelrecht verfeindet, sodass es sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam. Diese gruppendynamischen Prozesse, welche sich hier offenbarten, waren von der Architektur der Hochschule begünstigt. Durch die lineare Wegeführung war ein Umgehen von zentralen Punkten kaum möglich. Zudem waren die Gemeinschaftsräume nicht von der Verbindungsader der Anlage abgetrennt, wodurch es zu ständigen Konfronta-tionen zwischen den entzweiten Personenkreisen kam. Die Auseinandersetzungen erfuhren somit eine fortwährende Steigerung, und eine Entspannung der Lage war nicht zu bewerkstelligen. Erst, nachdem Max Bill endgültig aus der Hochschule ausgeschieden war, kam es zu einer Konsolidierung der Lage.
Der Bau der HfG Ulm wurde immer wieder, wegen seiner abgeschiedenen Lage und der puristischen Bauweise, mit einem Kloster verglichen. Die Einrichtung des Lehrbaus war karg und die billige Bauweise hatte zu einem kalten und feuchten Innern geführt. Trotz dieser Umstände fanden sich Menschen, die in der Ulmer Schule die Möglichkeit sahen, einen kulturellen Wandel in der Gesellschaft herbeizuführen. Der Gebäudekomplex von Max Bill förderte, ganz nach seinen Intentionen, die Bildung einer Gemeinschaft mit einem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl. In der drastischen Auslegung der Gruppenprinzipien wird jedoch sichtbar, dass die Architektur der Lehreinrichtung den Blick ihrer Bewohner verengte. Der Bau der Hochschule für Gestaltung in Ulm war mit seiner puristischen Ästhetik und der reduzierten Ausstattung prägend für die Studenten. Der Schulkomplex der HfG formulierte durch seine konkrete Architektur bestimmte Normen, welche eine Lebensweise hervorbrachte, die zu der Übernahme der Schulmaximen in das tägliche Leben führte. Somit verkörperte der Bau Max Bills bestimmte Gesetzmäßigkeiten, die entgegengesetzt zu seiner Idee einer Anlage mit uneingeschränkten Möglichkeiten standen. Die Architektur der HfG, unterstützt durch die abgeschiedene Lage der Schule, ließ ihren Nutzern kaum Freiheit für eine eigenständige Entwicklung. Die Programmatik der Schule war nicht nur Grundlage der Lehre, sondern wirkte sich durch die Struktur der Architektur allumfassend auf das Leben und Schaffen der Bewohner des Komplexes aus. Die Gebäudegruppe der Hochschule für Gestaltung stellte somit zwar einen Ort dar, der eine bestmöglichste Vertiefung in das Programm der Schule gewährleistete. Ein offener Umgang mit anderen Lehren, die für eine unabhängige Entwicklung der Schule förderlich gewesen wäre, erscheint in dieser Architektur, aufgrund der fehlenden Freiräume, jedoch nur schwer denkbar. Die Anlage barg in einem erheblichen Maße die Gefahr der Überhöhung der Lehre, da sich die Möglichkeit zu deren Hinterfragung nur ungenügenden bot. Der Schulbau, der anhand seiner Einbettung in die Natur eine Art von Freiheit vorgab, lenkte und beschränkte jedoch letztlich die Bewohner des Komplexes in deren Handlungs- und Bewegungsabläufen durch seine normierte Architektur.

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    Auszug aus der theoretischen Diplomarbeit »Programm – Bau – Wirkung, Die Auswirkung programmatisch besetzter Architektur auf ihre Bewohner und Nutzer am Beispiel des Bauhaus Dessau und der Hochschule für Gestaltung Ulm« von David Voss, HGB Leipzig, 2006
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